Weiterbildung Komplexes Management in Luzern · Kanton LucerneEin Projekt in Schwierigkeiten: Wann wird Beharrlichkeit zur Führungsfalle?

Wenn sich bei einem Projekt die Schwierigkeiten häufen, kann Weitermachen ebenso vernünftig erscheinen wie ein Abbruch. Für das SHR-Programm «Management complexe» stellt sich damit eine präzise Frage: Wie lässt sich eine Entscheidung neu beurteilen, ohne ihre Erfolgsaussichten mit dem Ansehen der Verantwortlichen zu verwechseln?
1. Was die Literatur belegt
Barry M. Staw (1976, Organizational Behavior and Human Performance) zeigt experimentell, dass die Verantwortung für eine ursprüngliche Entscheidung bei ungünstigen Ergebnissen den anschliessenden Ressourceneinsatz erhöhen kann. In dieser Versuchsanordnung reagieren die Teilnehmenden somit nicht nur auf die Aussichten des Projekts: Auch ihre Beteiligung an der früheren Entscheidung spielt eine Rolle. Das verdeutlicht ein Risiko komplexer Führungssituationen, in denen eine Initiative häufig von der Person beurteilt wird, die sie ursprünglich vorangetrieben hat.
2. Der Mechanismus: Gestern mit den Ressourcen von morgen rechtfertigen
Joel Brockner (1992, Academy of Management Review) untersucht Erklärungen für die Eskalation von Commitment und hebt dabei insbesondere die Selbstrechtfertigung hervor. Die Fortsetzung kann dazu dienen, eine frühere Entscheidung zu verteidigen, statt sich ausschliesslich am erwarteten Nutzen künftiger Anstrengungen zu orientieren. Dieser theoretische Überblick führt allerdings nicht jede Form von Beharrlichkeit auf diesen einen Mechanismus zurück.

3. Der vorschnelle Schluss: Projekte müssten früher beendet werden
Aus diesen Arbeiten folgt nicht, dass ein Projekt in Schwierigkeiten aufgegeben werden sollte. Zusätzliche Ausgaben können gerechtfertigt sein, wenn neue Informationen eine Verbesserung plausibel machen oder die künftigen Kosten eines Abbruchs erheblich sind. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen zukunftsgerichteten Gründen und Argumenten, die lediglich bereits getätigte Ausgaben nachträglich rechtfertigen sollen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
4. Die Grenzen der Daten und der Projektüberprüfung
Die experimentelle Versuchsanordnung bildet nicht sämtliche Abhängigkeiten, vertraglichen Verpflichtungen und Unsicherheiten einer realen Organisation ab. Auch ein theoretischer Überblick liefert keinen allgemeingültigen Schwellenwert, ab dem eine Fortsetzung irrational wäre. In der Praxis kann ein Prüfungsgremium selbst an der ursprünglichen Entscheidung festhalten, wenn alle Mitglieder ein Interesse daran haben, sie zu verteidigen: Eine zusätzliche Sitzung garantiert deshalb keine unabhängige Beurteilung.
5. Eine überprüfbare Praxis in Luzern
In Luzern prägen Tourismus, Hotellerie, regionale Finanzdienstleister und industrielle KMU ein Umfeld, in dem Familienunternehmen, kurze Entscheidungswege und eine starke regionale Verankerung Entscheidungen eng mit ihren Initiatoren verbinden können. Ein hypothetisches Beispiel: Ein Hotel setzt ein digitales Buchungsprojekt trotz Integrationsproblemen fort, nachdem die Geschäftsleitung es persönlich unterstützt hat. Eine zum SHR-Programm «Management complexe» passende Übung besteht darin, vor der nächsten Ausgabe die künftigen Kosten der Fortsetzung und des Abbruchs, den noch erwarteten Nutzen sowie eine beobachtbare Bedingung für eine Neubeurteilung festzuhalten und das Dokument von einer an der ursprünglichen Entscheidung unbeteiligten Person prüfen zu lassen. Bei der nächsten Überprüfung wird festgestellt, ob die Bedingung eingetreten ist und die vorgesehene Entscheidung umgesetzt oder ausdrücklich revidiert wurde; damit lässt sich die Entscheidungsdisziplin beurteilen, ohne sie mit dem Projekterfolg gleichzusetzen. Weiterführend: entdecken Sie die Komplexes Management-Weiterbildung in Luzern im Kanton Luzern, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Komplexes Management in Luzern



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