Weiterbildung Finanzen für Nicht-Finanzfachleute in Lugano · Kanton TessinFinanzen für Nichtfinanzfachleute im Tessin: Soll man Zahlungsfristen verlängern, um einen Auftrag zu gewinnen?

Im Tessin verleihen das Zusammenspiel von Banken, Mode, Handel und italienischsprachigen Familien-KMU sowie die Nähe zur Lombardei den Geschäftsbeziehungen mit Italien besondere Bedeutung. Für Führungskräfte ohne Finanzspezialisierung stellt sich die Frage, ob ein durch längere Zahlungsfristen gewonnener Auftrag auch unter Berücksichtigung seiner finanziellen Folgen noch wirtschaftlich sinnvoll ist.
Was die Literatur zeigt: Lieferanten finanzieren auch ihre Kunden
Mitchell A. Petersen und Raghuram G. Rajan (1997, The Review of Financial Studies) untersuchen Lieferantenkredite anhand von Daten kleiner US-amerikanischer Unternehmen. Ihre Ergebnisse stützen unter anderem die Annahme, dass Lieferanten über Informations- und Inkassovorteile verfügen, die eine Finanzierung ihrer Kunden erleichtern können. Eine Zahlungsfrist zu gewähren, ist somit nicht nur Teil der Verkaufsverhandlung: Das Unternehmen hält damit auch eine Forderung und trägt deren Risiko.
Eine zweite Perspektive: Forderungen binden Ressourcen
Marc Deloof (2003, Journal of Business Finance & Accounting) beobachtet in einer Stichprobe belgischer Unternehmen einen negativen Zusammenhang zwischen der Forderungslaufzeit und der Rentabilität. Der finanzielle Mechanismus ist einfach: Solange eine Rechnung unbezahlt bleibt, sind die für den Verkauf eingesetzten Mittel noch nicht vollständig zurückgeflossen. Dieser Zusammenhang beweist allerdings nicht, dass kürzere Zahlungsfristen die Rentabilität grundsätzlich verbessern.

Der vorschnelle Schluss: immer eine frühere Zahlung verlangen
Eine kürzere Zahlungsfrist kann den Finanzierungsbedarf senken, aber auch ein Angebot weniger attraktiv machen oder eine Geschäftsbeziehung belasten. Umgekehrt kann eine längere Frist einen Auftrag ermöglichen, ohne dass dessen wirtschaftlicher Nutzen die Finanzierungskosten und das Zahlungsausfallrisiko zwangsläufig ausgleicht. Für die Entscheidung ist deshalb der erwartete zusätzliche Ergebnisbeitrag des Auftrags mit den zusätzlichen Kosten und Risiken des Zugeständnisses zu vergleichen. (unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende)
Die Grenzen: weder Tessiner Evidenz noch eine allgemeingültige Regel
Diese Studien untersuchen US-amerikanische und belgische Unternehmen; sie liefern keine spezifischen Ergebnisse für das Tessin und bestimmen keine branchenübergreifend optimale Zahlungsfrist. Eine durchschnittliche Zahlungslaufzeit kann zudem einzelne stark überfällige Rechnungen, Streitfälle oder eine hohe Konzentration auf einen Kunden verdecken. Im Geschäft mit Italien sollte man ausserdem die vertragliche Zahlungsfrist vom tatsächlichen Zahlungsverzug unterscheiden und bei unterschiedlichen Währungen das Wechselkursrisiko separat prüfen.
Eine überprüfbare Praxis in Lugano
Im SHR-Programm «Finanzen für Nichtfinanzfachleute» könnte eine Übung den hypothetischen Fall eines familiengeführten Modehandels-KMU in Lugano aufgreifen, dessen Kunde aus der Lombardei eine längere Zahlungsfrist verlangt, gegebenenfalls finanziert über eine Bankkreditlinie. Vor einer Zusage würden die Verkaufsverantwortlichen gemeinsam mit der Finanzabteilung die ursprüngliche und die vorgeschlagene Frist, den Finanzierungsbetrag, die anhand tatsächlicher Bankkonditionen geschätzten Kosten und den erwarteten zusätzlichen Ergebnisbeitrag des Auftrags dokumentieren. Nach Fälligkeit würden sie Datum und Betrag der eingegangenen Zahlung prüfen und die tatsächlichen Finanzierungskosten mit der Schätzung vergleichen, wobei offene Beträge separat erfasst würden. Dieses Arbeitsblatt würde die finanziellen Folgen des Zugeständnisses überprüfbar machen, ohne zu behaupten, dass allein dieses Zugeständnis den Verkauf ausgelöst hat. Weiterführend: entdecken Sie die Finanzen für Nicht-Finanzfachleute-Weiterbildung in Lugano im Kanton Tessin, oder durchstöbern Sie unsere Weiterbildungen für Führungskräfte und Mitarbeitende in der Schweiz.
In Bildern: Finanzen für Nicht-Finanzfachleute in Lugano



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